Hundewolle

Stricken mit Hundewolle

Nachhaltiger Trend oder echte Alternative zur Schafwolle?

In der Welt der nachhaltigen Mode und des bewussten Konsums tauchen immer wieder neue Trends auf. Einer davon ist das Stricken mit Hundewolle, auch als „Chiengora“ bekannt. Was auf den ersten Blick kurios erscheinen mag, hat eine lange Tradition und könnte eine echte Alternative zu herkömmlicher Schafwolle darstellen. Doch wie nachhaltig ist dieser Trend wirklich? Welche Auswirkungen hat er auf den Schafwollmarkt, und welche Vor- und Nachteile bringt Hundewolle mit sich? Ist es nur eine Modeerscheinung oder könnte sie langfristig etabliert werden? Und schließlich: Wie steht die vegane Community zu diesem Material?

Die Wiederentdeckung einer alten Tradition

Das Verarbeiten von Hundewolle ist keineswegs eine neue Idee. Bereits vor Jahrhunderten nutzten indigene Völker Nordamerikas – wie die Salish – die ausgekämmte Wolle ihrer gezüchteten Wollhunde, um warme Kleidungsstücke wie Decken herzustellen. Diese wurden nicht nur für den Eigenbedarf erzeugt, sondern dienten auch als Handelsgut. Auch einige nordeuropäische Kulturen kämmten die Unterwolle von Hunden aus, um warme Kleidungsstücke herzustellen. Heute erfährt diese Technik eine Renaissance, insbesondere in Kreisen der nachhaltigen Mode und der Zero-Waste-Bewegung.

Die Hundewolle wird dabei nicht geschoren, sondern durch regelmäßiges Auskämmen der Unterwolle gewonnen. Dies geschieht vor allem während des Fellwechsels im Frühjahr und Herbst. Anschließend wird sie gewaschen, kardiert, versponnen und verstrickt – ein aufwendiger, aber lohnender Prozess.

Hundewolle vs. Schafwolle – Ein Vergleich

Auswirkungen auf den Schafwollmarkt

Sollte sich Hundewolle tatsächlich als Alternative etablieren, könnte dies Auswirkungen auf die traditionelle Schafwollproduktion haben. In Europa und Australien ist der Schafwollmarkt von großen Betrieben geprägt, die auf Massenproduktion setzen. Eine breitere Akzeptanz von Hundewolle könnte die Nachfrage nach Schafwolle senken, insbesondere in nachhaltigen und kleinen Handarbeitskreisen.

Gleichzeitig wäre Hundewolle aber kaum eine direkte Konkurrenz für die industrielle Wollproduktion, da die Mengen schlicht nicht ausreichen. Viel eher könnte sich ein Nischenmarkt entwickeln, der sich an umweltbewusste Konsumenten richtet, die Wert auf Individualität und ethische Alternativen legen.

Ist Hundewolle nur ein Trend oder eine langfristige Alternative?

Ob Hundewolle eine nachhaltige Zukunft hat, hängt von mehreren Faktoren ab. Derzeit bleibt sie eine Liebhabertechnik, die vor allem von passionierten Handspinnern und Strickbegeisterten geschätzt wird. In den letzten Jahren hat der Verein Modus Intarsia e.V. Hundebesitzer:innen dazu aufgerufen, die ausgekämmten Hundehaare zu sammeln und einzusenden. Das Start-up YarnSustain entwickelt Garne aus Hundewolle und bezieht die Rohstoffe vom Verein Modus Intarsia e.V. Ob diese Garne in den nächsten Jahren die Massenproduktion erreichen können, wird sich zeigen.

Allerdings könnte sich mit wachsendem Bewusstsein für nachhaltige Materialien ein stabiler Markt für Hundewolle etablieren. Gerade in der Slow-Fashion-Bewegung, die Wert auf individuelle, ressourcenschonende Mode legt, könnte sie eine langfristige Rolle spielen.

Die vegane Perspektive auf Hundewolle

In der veganen Community gibt es unterschiedliche Meinungen zur Nutzung von Tierfasern. Während einige Veganer jede Form tierischer Produkte ablehnen, argumentieren andere, dass Hundewolle eine ethische Alternative zu herkömmlicher Wolle sein kann. Schließlich entsteht sie als Nebenprodukt eines natürlichen Prozesses, ohne dass Tiere dafür leiden müssen.

Strenge Veganer lehnen allerdings auch Hundewolle ab, da sie weiterhin auf tierische Ressourcen zurückgreift. Sie bevorzugen pflanzliche Fasern wie Baumwolle, Hanf oder Bambus. Dennoch gibt es unter umweltbewussten Konsumenten auch jene, die Hundewolle als akzeptablen Kompromiss zwischen Funktionalität und Ethik betrachten.

Fazit: Lohnt sich Hundewolle?

Stricken mit Hundewolle ist weit mehr als nur ein kurioser Trend. Es bietet eine nachhaltige, extrem wärmende und individuelle Alternative zur klassischen Schafwolle. Allerdings bleibt es aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit eine Nischenlösung, die sich vor allem für Einzelstücke eignet. Während Hundewolle auf dem Massenmarkt wohl keine große Rolle spielen wird, könnte sie in nachhaltigen Handarbeitskreisen eine feste Größe werden.

Ob sie Schafwolle langfristig ersetzen kann, ist fraglich. Doch für alle, die auf der Suche nach einer umweltfreundlichen und einzigartigen Alternative sind, ist Hundewolle definitiv einen Versuch wert. Und vielleicht wird das nächste selbstgestrickte Kleidungsstück nicht nur warm, sondern auch ein Statement für bewussten Konsum sein.

Es gibt jedoch auch Herausforderungen, die bedacht werden sollten. Für ein Garn von hoher Qualität müssen den ausgekämmten Hundehaaren oft andere Fasern beigemischt werden – und diese sind nicht immer tierhaarfreie Ressourcen. Zudem stellt sich die Frage: Was passiert, wenn Hundewolle ein voller Erfolg wird und die ausgekämmte Wolle von nationalen Hundebesitzern oder Hundezüchtern nicht mehr ausreicht?

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